Hey, was soll das!
„Sprache gegen Gewalt“ – ein Projekt an der OGS „Räuberhöhle“
Lützenkirchen (sb) Eine Woche lang haben 26 Kinder der Klassen eins
bis vier in der Offenen Ganztagsschule der Gemeinschaftsgrundschule Im
Kirchfeld an einem besonderen Projekt gearbeitet. Dabei stand das
Thema Gewaltprävention im Vordergrund. „Seit Jahren ist zu
beobachten, dass auch die Aggressionsbereitschaft in den Grundschulen
wächst. Um dem entgegen zu wirken, wollten wir den Kindern zeigen,
dass es auch andere Möglichkeiten gibt“, erzählte Martina Tenhagen,
Leiterin der OGS. Der Schauspieler Dirk Heinrichs leitete das Projekt.
Andrea Bluhmky, Betreuerin an der OGS hatte einen Fernsehbericht zu
dessen Verein „Sprache gegen Gewalt“ gesehen und war begeistert.
Diese Begeisterung teilte auch der Werbering Lützenkirchen, der die
Finanzierung des Projektes an der OGS komplett übernommen hat. Dirk
Heinrichs ist gebürtiger Quettinger. Vor fünf Jahren hat er den Verein
Sprache gegen Gewalt e.V. ins Leben gerufen. Seither kümmert er sich
neben dem Schauspielen um all jene, die glauben, der Einzelne könne
nichts erreichen. Er zeigt wie Zivilcourage und soziale Verantwortung
funktionieren kann, um ein friedvolles Miteinander zu erreichen. „Ich bin
nicht gerade klein und schmächtig und könnte sicherlich auch einfach
jemanden umhauen. Doch will ich zeigen, dass ein Mann auch ohne
Gewalt ein Mann sein kann.“ Für die Kinder im Grundschulalter ging es
darum die Redegewandtheit zu schulen und die Persönlichkeit der Kinder
zu stärken, damit bessere Umgangsmöglichkeiten untereinander
gefunden werden können. „Nicht nur Rabauken waren an dem Projekt
beteiligt. Auch eher stille Kinder konnten für die Stärkung ihres
Selbstbewusstseins etwas daraus ziehen“, erklärte Katrin Cremer,
stellvertretende Leiterin der OGS. Es war spannend mit anzusehen, wie
genau das Projekt ablief. Die Kinder haben sich selbst Situationen
ausgedacht, die sie dann in einem Rollenspiel vorgetragen haben. So
haben zum Beispiel zwei Mädchen einen Club gegründet und ein anderes
wollte mitmachen. Die Beiden wollten dies aber nicht und haben das
fragende Mädchen entsprechend beschimpft. In einer anderen Szene
spielte ein Junge etwas. Zwei andere kamen dazu und machten einfach
alles kaputt, ohne ersichtlichen Grund. Es kam zu wüsten
Beschimpfungen und zu Tritten und Schlägen. Darauf hin kam ein
weiterer Junge dazu und versuchte die Situation zu entspannen. Dirk
Heinrichs filmte alle Szenen mit einer Kamera und er arbeitete auch mit
„Reportern“. Das waren Kinder aus der Projektgruppe, die gerade nicht
an der aktuellen Szene beteiligt waren. Diese sollten dann den
schauspielenden Kindern Fragen stellen. Zum Beispiel: „Woher hast Du
den Mut genommen gerade in den Streit einzugreifen?“ Die Antwort: „…
weil er klein war und Hilfe brauchte…“ wurde ebenso wie alles andere mit
der Kamera festgehalten. Heinrichs wird aus dem Material einen Kurzfilm
machen, der allen Beteiligten gemeinsam vorgestellt wird. „Das ganze
hat Eventcharakter, der aber vor Ort an der OGS durch das bestehende
Betreuerteam fortgesetzt wird – die Nachhaltigkeit ist für das
Verinnerlichen besonders wichtig“, sagte der 45jährige Schauspieler. Das
Lernen findet über Emotionen und Fakten statt. Der zehnjährigen
Vanessa machte das Projekt Spaß. Sie sagte: „Der Dirk zeigt uns, wie
wir auch ohne Gewalt reagieren können. Es geht auch mit Reden.“
Gewalt wird immer nur von einer Minderheit ausgeübt. Zivilcourage
bedeutet, hinzusehen und zu handeln, ohne sich dabei in Gefahr zu
bringen. So steht es auf der Internetseite von „Sprache gegen Gewalt“.
Die Kinder an der OGS in Lützenkirchen haben lernen können, wie sie in
brenzligen Situationen reagieren können. Jetzt geht es darum, das
Gelernte auch anzuwenden. Dabei wollen die Betreuer der OGS helfen.
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